Krisenmanagement der Bundesregierung
Die Bundesregierung bietet deutschen Unternehmen politischen Geleitschutz bei Eingriffen in Auslandsprojekte. Deutsche Unternehmen profitieren bei Schwierigkeiten mit hoheitlichen Stellen im Ausland unmittelbar von den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland weltweit. Die gezielte Unterstützung auf diplomatischer Ebene sichert den Fortbestand der Projekte und hat eine hohe Erfolgsquote bei der Abwendung von Schadensfällen. Allein in den letzten zehn Jahren belief sich das Deckungsvolumen der "geretteten" Projekte auf über 1,5 Milliarden Euro.
Die Unterstützung der Bundesregierung im Krisenfall stellt aus Sicht der Garantienehmer den zentralen Mehrwert der Investitionsgarantien des Bundes dar. Private Investitionsversicherer verfügen nicht über vergleichbare diplomatische Möglichkeiten.
Die Rahmenbedingungen für Projekte weltweit haben sich in der jüngeren Vergangenheit spürbar verschlechtert. Die anhaltenden Folgen der COVID-19-Pandemie, die weiterhin ungelösten Handelskonflikte, das Erstarken nationalistischer Kräfte sowie nicht zuletzt der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, führen zu einer großen Bedrohung ausländischer Direktinvestitionen durch politische Risiken. Dies belegen die aktuellen Entwicklungen. Schwerpunkt des Krisenmanagements waren - neben dem sich aus dem russischen Angriffskrieg ergebenden Unterstützungsbedarf - abgesicherte Projekte in Algerien, in Indien, im Iran, in Kuwait, in Libyen, in Peru und im Senegal. Zuletzt konnte die Bundesregierung insbesondere auch ein Projekt in Ägypten unter intensiver Einbindung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland erfolgreich unterstützen und damit einen Schaden abwenden.
Political Risk Report 2025 (Marsh):
- Eine stärkere Fragmentierung des Handels könnte das Konfliktrisiko erhöhen, da eine weniger vernetzte Welt weniger Hemmnisse für Konflikte bietet.
- Konflikte treten fast doppelt so häufig auf wie 2005, und die Zahl der internationalen Sanktionen ist seit 2017 um 370 % gestiegen.
- Die Weiterentwicklung der globalen Handelsarchitektur und zunehmende geopolitische Unsicherheiten verschärfen das operative Risikomanagement, insbesondere durch instabilere Rahmenbedingungen mit Auswirkungen auf Finanzen, Konflikte und Regulierung.
- Unternehmen können durch politische Risiken wie Konflikten, volatile Lieferketten und zunehmende Investitionsbeschränkungen verschärfte operative Schwierigkeiten erleben.
Political Risk Survey 2025 (Willis Towers Watson / Oxford Analytica):
- In den Jahren 2024 und 2025 haben sich die politischen Risiken im Vergleich zu den acht vorangegangenen Jahren deutlich verändert: Sie traten nicht mehr hauptsächlich in Hochrisikosektoren oder Hochrisikoländern auf, sondern waren seit 2025 vielmehr von geopolitischer Natur.
- Ereignisse wie der Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten haben das Bewusstsein und die Besorgnis betreffend politische Risiken daher in den vergangenen Jahren geschärft.
- Laut 74 % der Befragten gehören politische Risiken zu den fünf größten Unternehmensrisiken; für 11 % war es das Risiko Nummer eins. Der Anteil der Unternehmen, die das geopolitische Risiko aktiv überwachen, ist von etwas mehr als 60 % im Jahr 2021 auf fast 90 % im Jahr 2025 gestiegen.
PwC’s 29th Annual Global CEO Survey 2026:
- Bei einem Ausblick auf die nächsten 12 Monate sind die befragten CEOs aufgrund der Risiken aus geopolitischen Konflikten deutlich weniger zuversichtlich hinsichtlich der kurzfristigen Wachstumsaussichten ihrer Unternehmen.
- 32% der Befragten geben an, dass sich dies auch auf Investitionsentscheidungen auswirkt.
- Die befragten deutschen CEOs haben als Top Bedrohungen makroökonomische Volatilität, Cyberrisiken und geopolitische Konflikte genannt.
Stand: 05.03.2026
Krisenmanagement des Bundes / Schäden aus den Investitionsgarantien weltweit (Stand: 31.12.2025)
Dem Bund stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um Unternehmen bei Schwierigkeiten bei Auslandsprojekten zu unterstützen:
- Sachverhaltsaufklärung durch deutsche Botschaften und Generalkonsulate
- Ansprache von hochrangigen Vertretern des Landes durch deutsche Botschafter
- Thematisierung in internationalen Gremien (z.B. Berner Union)
- Thematisierung durch Bundesministerien bei Treffen / Verhandlungen
- Verbalnoten der Bundesregierung und Schreiben von Bundesministern
- persönliche Ansprache durch höchste politische Ebene (z.B. Bundeskanzler)
Aktuelle Beispiele für erfolgreiches Krisenmanagement
China
Projektgegenstand: Verkehr und Logistik
Projektvolumen: rund EUR 150 Mio.
Schwierigkeiten: Herausdrängen des deutschen Investors aus Projekt sowie Vertragsverstöße durch staatlichen Joint Venture-Partner
Krisenmanagement: intensive Unterstützung durch deutsche Bundesregierung / mehrfache Ansprache auf höchster politischer Ebene durch Bundeskanzler
Erfolg: deutscher Investor erhält angemessene Zahlung für Projektausstieg
Türkei
Projektgegenstand: Stromerzeugung
Projektvolumen: rund EUR 775 Mio.
Schwierigkeiten: Nichteinhaltung staatlicher Zahlungsverpflichtungen
Krisenmanagement: Schreiben des deutschen Wirtschaftsministers an den türkischen Finanzminister
Erfolg: Zahlungen werden wieder aufgenommen und Rückstände beglichen
Webinar Aufzeichnung "Investitionsgarantien - Krisenmanagement des Bundes"
Weitere Informationen und Beispiele können Sie auch unserer Webinar-Aufzeichnung „Investitionsgarantien - Krisenmanagement des Bundes“ entnehmen. Im Rahmen dieses Webinars wird anhand von Praxisbeispielen eingehend die Wirkungsweise des politischen Geleitschutzes des Bundes erläutert: